Eine Definition von Armut

Armut findet man überall auf der Welt. Egal ob in Industrieländern, in Schwellenländern oder in Entwicklungsländern. Armut wird aber in jedem Land anders definiert. Hinzu kommt, dass jeder Mensch seine eigene Vorstellung davon hat, was es bedeutet arm zu sein.

Im Zielkatalog der Agenda 2030 ist die Beendigung der Armut in all ihren Dimensionen als erstes Ziel beschrieben. Die Überwindung der Armut ist eines der wichtigsten entwicklungspolitischen Ziele und eine Grundvoraussetzung für das Erreichen aller anderen nachhaltigen Entwicklungsziele. Zum Beispiel kann der Hunger in der Welt nur beendet und der Zugang zu Bildung für alle sichergestellt werden, wenn die Menschen ein ausreichendes Einkommen haben.

 

Aber wann ist ein Mensch arm?

Man könnte sagen, dass jemand arm ist, wenn er oder sie zu wenig Einkommen hat.

Aber was ist zu wenig? Man könnte auch sagen, dass eine Person arm ist, wenn sie ihre Grundbedürfnisse nicht befriedigen kann. Aber, was sind eigentlich die Grundbedürfnisse und wer entscheidet darüber, ab wann diese befriedigt sind?

Trotz der Schwierigkeit Armut verbindlich und einheitlich zu definieren, gibt es Versuche, die Begriffe Armut und Grundbedürfnisse zu beschreiben. Um Armut und ihre unterschiedlichen Formen zu beschreiben und zu definieren werden häufig folgende drei Konzepte verwendet: Extreme Armut, Relative Armut und Gefühlte Armut

 

Extreme Armut

Die extreme Armut oder auch absolute Armut trifft auf Menschen zu, die weniger als 1,25 Dollar pro Tag an Einkommen haben. 1,25 Dollar sind 1,13 Euro, also ungefähr 33 Euro pro Monat. Diese Definition legt einen absoluten Grenzwert für alle Staaten der Welt fest. Wenn dieser Grenzwert unterschritten wird, gilt ein Mensch als extrem arm.

Durch den Versuch eine Definition festzulegen die sich an einem Geldwert orientiert um damit international vergleichbare statistische Daten zu erheben entstehen mehrere Probleme. Zum einen ist der Grenzwert nicht oder nur unzureichend an die Preisentwicklung der letzten Jahre angepasst. So hat die Weltbank ihren Grenzwert zur Messung der extremen Armut nur eine Woche nach Verabschiedung der Agenda 2030 auf 1,90 Dollar herauf gesetzt. Zum anderen ist zwar der Grenzwert von 1,25 Dollar als sogenannte Kaufkraftparität ausgewiesen, was bedeutet, dass der Geldbetrag von 1,25 Dollar in unterschiedlichen Staaten durch die Wechselkurse vergleichbar gemacht wird. Die Beachtung der Wechselkurse erfasst aber zum Beispiel nicht den lokalen Tauschhandel oder geht nicht auf verschiedene Formen der Diskriminierung von Personen oder Gruppen beim Erwerb von Gütern ein.

 

Relative Armut

Als relativ arm werden Menschen bezeichnet, deren Einkommen weniger als 50 oder 60 Prozent des Mittleren Einkommens der EinwohnerInnen eines Landes beträgt. In der Europäischen Union werden 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Erhebung der relativen Armut verwendet. In anderen Staaten häufig 50 Prozent weshalb auch hier eine gewisse Beliebigkeit vorliegt. Die relative Armut variiert also schon mit der Art der Statistischen Erhebung.  Zusätzlich aber auch mit dem Wohlfahrtsniveau einer Gesellschaft und verändert sich mit deren Entwicklung.

In Deutschland lag der Wert des Mittlernen Einkommens im Jahr 2014 bei 19.733 Euro pro Jahr. Daraus ergibt sich ein Grenzwert von 987 Euro als Monatseinkommen. Auch bei der relativen Armut wird ein Grenzwert festgelegt bei dessen Unterschreitung eine Person in Deutschland als arm bezeichnet wird.

Würdest du dich mit 987 Euro im Monat als arm fühlen? Wie gut könntest du deine Bedürfnisse damit erfüllen?

 

Gefühlte Armut

Im Gegensatz zu der extremen und der relativen Armut liegt der gefühlten Armut kein berechenbarer Geldwert zu Grunde. Menschen fühlen sich arm, weil sie diskriminiert werden oder sich als benachteiligt empfindet. Die Definition von Armut ist damit nicht auf Einkommen und materielle Güter beschränkt, sondern eine Frage des sozialen oder kulturellen Empfindens.

Anspruch des SDG 1 ist es, Armut in all ihren Formen zu beenden. Hierfür braucht es einen multidimensionalen Ansatz, der sowohl absolute Armut, relative Armut, als auch die gefühlte Armut berücksichtigt. Statt den Blick auf das Einkommen allein zu richten, beschäftigen sich multidimensionale Definitionen von Armut auch mit den Grundbedürfnissen wie Bildung, Gesundheit, Ernährung, Wasser- und Sanitärversorgung.

Die anderen nachhaltigen Entwicklungsziele widmen sich diesen Themen im Detail. Die Armut zu beenden ist also ein übergeordnetes Ziel der Agenda 2030.

 

Multidimensionale Definitionen

Ein neuerer Ansatz der Armutsmessung wurde 2010 mit dem Multidimensional Poverty Index (MPI) entwickelt. Der MPI misst die Armut in den drei Dimensionen Bildung, Gesundheit und Lebensstandard und erfasst für jede Dimension verschiedene Indikatoren. Der MPI wurde im Winter 2015/16 überarbeitet. Mittlerweile steht der MPI für über 100 Entwicklungs- und Schwellenländer zur Verfügung.

 

Zusammenfassend ist es also schwer Armut mit einem einzigen Indikator zu beschreiben. Mit jeder Definition können andere Aspekte der Armut angesprochen werden. Wird Armut thematisiert, sollte man also nachfragen, von welcher Armut gesprochen wird.

Wie würdest Du Armut definieren?

 

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