Eine Definition von Hunger

Hunger: Was heißt das eigentlich?

Hunger ist ein Begriff, der mit ganz unterschiedlichen Bedeutungen belegt ist. So bedeutet Hunger…

  • ein heftiges, leidenschaftliches Verlangen: Begierde,
  • eine Lust, etwas Bestimmtes zu essen: Appetit,
  • ein Gefühl in der Magengegend, das durch das Bedürfnis nach Nahrung hervorgerufen wird: Verlangen, etwas zu essen,
  • oder der Mangel an Nahrungsmitteln: Hungersnot.

Diese Auswahl, in Anlehnung an den deutschen Duden, zeigt, welche unterschiedlichen Bedeutungen das Wort Hunger haben kann. Sie zeigt auch, welche unterschiedlichen Emotionen der Begriff Hunger hervorruft. Er ist eine persönliche Begierde, ein individueller Appetit, ein körperliches Verlangen oder ein Zustand von Not und Elend, dem Menschen unterworfen sind.

Aufgrund der facettenreichen Bedeutung von Hunger verwenden Experten Fachbegriffe wie Nahrungsunsicherheit, Unterernährung oder Mangelernährung. Diese Begriffe sind zwar präziser auf die Ursache des Hungers bezogen, aber auch weniger emotional.

 

Hunger, eine Definition

Nach der Definition der Vereinten Nationen hungert ein Mensch, wenn er weniger zu essen hat, als er täglich benötigt, um sein eigenes Körpergewicht zu halten und leichte Arbeit verrichten zu können. Für einen Erwachsenen sollten demnach mindestens 1.800 Kilokalorien Nahrung pro Tag zur Verfügung stehen.

Diese Berechnung ist jedoch problematisch. So hält die Weltgesundheitsorganisation (WHO) täglich 2.100 bis 2.200 Kilokalorien für erforderlich, um gesund leben zu können. So viel Energie sollte ein Mensch mindestens zu sich nehmen, besonders wenn er harte körperliche Arbeit verrichtet. Lebt ein Mensch zudem in Armut, ist der Zugang zu ausreichend Nahrung und Energiezufuhr erschwert. Die Weltprobleme Armut und Hunger stehen klar und unmissverständlich miteinander in Verbindung.

Weiterhin ist eine einseitige Ernährung, auch mit genügend Kalorien, problematisch. Es kommt nicht nur auf die Menge der aufgenommenen Nahrung an, sondern auch auf deren Zusammensetzung. In diesen Fällen spricht man von Fehlernährung. Dabei wird zwischen verschiedenen Sonderformen unterschieden:

  • Mangelernährung ist die unzureichende Versorgung mit Mikronährstoffen. Das heißt, dass ein Mensch zu wenig Eiweiße, Spurenelemente und Vitamine zu sich nimmt.
  • Unterernährung bedeutet, dass weniger Energie oder Nährstoffe zugeführt werden, als durch den Stoffwechsel und körperliche Aktivitäten verbraucht werden. Es entsteht eine negative Energiebilanz.
  • Wenn eine Unterernährung chronisch ist, also über längere Zeit andauert, wirkt sich das auf die Gesundheit und das Wachstum aus. In diesem Fall spricht man von Hunger. Betrifft das viele Menschen, sagt man dazu Hungersnot.
  • Auf der anderen Seite gibt es die Überernährung, das heißt die unzureichende Versorgung mit Makronährstoffen wie Vitaminen und Mineralstoffen. Die Ernährung ist sehr unausgewogen. Sie produziert beispielsweise zu viel Energie durch zu viele Kohlenhydrate, Fette und Zucker. Eine anhaltende Überernährung führt zu Übergewicht und anderen Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus. Vor allem in Industrie- und Schwellenländern ist diese Art von Fehlernährung ein großes Problem. Weltweit leiden bereits 1.900 Millionen Menschen an Überernährung.

 

Die neue Agenda 2030 formuliert deshalb im Unterziel 2.1, bis zum Jahr 2030 den Hunger für alle Menschen ein für alle Mal zu beenden. Allerdings ist das SDG 2 Hunger auch an andere Ziele der Agenda geknüpft. Beispielsweise haben Menschen, die an Hunger leiden bzw. wenig zu essen haben, oft auch kein sauberes Wasser (SDG 6) oder keine ausreichende Gesundheitsversorgung (SDG 3). Auch steht Hunger in enger Verbindung mit Bildung (SDG 4). Nicht nur traditionelles Wissen über landwirtschaftlichen Anbau, sondern auch die Einkommenssituation spielt hier eine Rolle. Nur ein ausreichender Grad an Bildung ermöglicht die Chance auf eine gute Arbeit und ein ausreichendes Einkommen. Dabei bezieht sich Hunger auch auf Ungleichheit (SDG 10). Kulturelle und gesellschaftliche Einschränkungen für Frauen verhindern die Möglichkeit auf Selbstständigkeit. Frauen dürfen in vielen Ländern kein eigenes Land oder Kapital besitzen, was die diskriminierende Situation weiter verschärft. Auch das SDG 11 nachhaltige Städte und Siedlungen wird mit Hunger in Verbindung gebracht. 20 Prozent der Menschen, die in Städten leben, leiden dort an Armut (SDG 1) und damit auch an Hunger.

© Welthungerhilfe

 

Hunger in der Welt: Wo und warum hungern Menschen?

Nach Brot für die Welt ist genügend Nahrung für alle Menschen vorhanden, trotzdem wachen Millionen Menschen jeden Tag mit knurrendem Magen auf. Nach Zahlen der Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen haben 795 Millionen Menschen weltweit nicht genug zu essen. Jeder neunte Mensch lebt in Hunger! 98 Prozent der Hungernden leben im Globalen Süden, der größte Anteil davon in Südasien und in Afrika südlich der Sahara. Aber auch in Ländern des Globalen Nordens gibt es viele Menschen, die an Hunger und seinen Folgen leiden. In Deutschland leiden zum Beispiel 500.000 Kinder an Fehlernährung, das heißt sie ernähren sich nicht ausreichend. Die Folge davon ist meist eine beeinträchtigte Entwicklung: Die Kinder können sich nicht gut in der Schule konzentrieren und sind häufiger anfällig für Krankheiten.

© Welthungerhilfe

 

Der Welthungerindex (WHI)  berechnet den Ernährungszustand der Menschen weltweit und kann so einen Eindruck vom Hunger in der Welt geben. Auch der WHI besagt, dass der Hunger besonders in Ländern Afrikas und Südasiens ein schwerwiegendes Problem ist, gefolgt von anderen Ländern in Asien, dem Nahen Osten, Lateinamerika, aber auch Osteuropa. Vor allem in den ländlichen Gebieten dort sind Kleinbauern, indigene Völker und Landlose von Hunger betroffen. Der Klimawandel ist hier eine besondere Herausforderung. Anhaltende Dürren führen dazu, dass es nicht mehr genügend Wasser für den Ackerbau und die Bepflanzung gibt. Regenfälle sind konzentrierter und extremer. Das führt zu Überschwemmungen und ausfallenden Ernten.

Ein anderer Grund, der den Hunger auf der Welt und vor allem im Globalen Süden befördert, ist ein verzerrter Welthandel. Das globale Wirtschaftssystem berücksichtigt die Interessen der kleinen Staaten oft nicht. Es sind die reichen Staaten, die die Regeln der internationalen Politik festlegen. So führen vor allem Exportsubventionen zur Benachteiligung von Bauern und Händlern. 

Es gibt aber auch politische Ursachen, die den Hunger verstärken. Die Politik eines Landes sollte an die Bedürfnisse der Menschen angepasst werden. Wenn Naturkatastrophen die Existenz von Kleinbauern zerstören, sollten Regierungen die Landwirtschaft in ihrem Land mit anderen Strategien fördern. In Bolivien beispielsweise fördert die Regierung die landwirtschaftliche Produktion mit einem Bewässerungsprojekt, welches die Bewässerung der Äcker mit wassersparenden Techniken voranbringt und Wasser für Trockenzeiten aufsparen lässt. 

Weitere Probleme, die Hunger hervorbringen, sind Landgrabbing (Landraub durch Konzerne) oder Korruption. Die Ungleichheit zwischen arm und reich steigt auch in Ländern des Globalen Nordens immer weiter an. Grund dafür ist die Sozialpolitik: Gibt es einen Mindestlohn? Wie hoch ist die Arbeitslosenunterstützung? Eine gute Regierungsführung ist deshalb vorteilhaft für die Beseitigung von Hunger, aber auch für Frieden, Wohlstand, Stabilität und Entwicklung in einem Land.

 

Tags: Agenda 2030, SDG 2

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